Huflattich (Tussilago farfara)

Der heutige Ausflug in die Natur führt mich zu bekannten Sammelplätzen aus der Kindheit - Erinnerungen steigen hoch. Vorbei am Maiensäss von meinem Neni, Sehnsucht kommt hoch - Sehnsucht nach den leichten Kindertagen. Die frische Bergluft ist noch kühl, doch die ersten Sonnenstrahlen erwärmen diesen prächtigen Morgen. Leises, noch zurückhaltendes Vogelgezwitscher ertönt im Hintergrund. Die umliegenden Berge erstrahlen in ihrer majestätischen Pracht, ihre weissen Häupter sind noch mit Schnee bedeckt. Es sind diese unbezahlbaren Momente die mein Herz zutiefst erfreuen und mich voller Dankbarkeit und Ehrfurcht erfüllen.

 

 

 

Schon bald komme ich an einem plätschernden Bergbach vorbei. An seinem sandigen Ufer tummeln sich dutzende, fröhliche, hellgelbe Blüten. Die kleinen Kerle erwecken sofort meine Aufmerksamkeit. In Gruppen leuchten sie der Sonne entgegen. Es ist der Huflattich der bereits in den frühen Monaten des Jahres sein Köpfchen aus der Erde streckt. An seinen Stängeln sitzt ein Blütenkorb mit Röhrenblüten in der Mitte. Viele feine hellgelbe Strahlenblüten, umhüllen dieses duftende Zentrum.

 

 

 

Huflattich ist wohl eine der ältesten Heilpflanzen bei Atemwegserkrankungen. Wie der botanische Namen schon sagt, hilft diese Pflanze vor allem bei Husten. „Tussi“ bedeutet Husten. So hat Tussilago bereits vielen Menschen in der Antike mit ihren Wirkstoffen bei Katharren der oberen Luftwege, bei Husten, Heiserkeit und chronischen Bronchienleiden geholfen. Im Zuge der wissenschaftlichen Forschungen wurden in der Pflanze Pyrrolizidin Alkaloide gefunden. Diese Wirkstoffe gelten als lebertoxisch und krebsfördernd. Es sind jedoch auch die Inhaltsstoffe die unter anderem bei den oben genannten Leiden Linderung erschaffen. Bei den Tests wurden dermassen grosse, isolierte Mengen verwendet, die in einer kurmässigen und natürlichen Anwendung als Gesamtpflanze niemals erreicht würden. Doch dürfen heute nur noch die Blätter medizinisch genutzt werden und sollten nicht länger als 6 Wochen eingenommen werden. Diese enthalten kleinste Mengen dieses PA, die für den Menschen absolut unbedenklich sind. Das Blattwerk entfaltet sich bei dieser Pflanze erst nach dem Blütenzauber. Die Blätter werden darum erst im Mai und Juni geerntet.

 

 

 

Auf den Pfaden meiner Kinderwege gehe ich nun vorbei an erwachenden Bergwiesen in denen sich Gänseblümchen, Löwenzahn, Schlüsselblumen und weitere Frühlingsboten sonnen. Auch die Lärchen werden bald ihr Winterkleid ablegen und sich wieder das hellgrüne, feine, samtige Nadelkleid des Sommers überstreifen. Unter den schützenden Ästen halte ich eine kurze Rast und darf einfach sein. Der unverkennbare, in meinem Gemüt gespeicherte Duft hüllt mich ein. Dankbar über die Erfahrungen die ich als Kind mit auf meinen Weg bekommen habe, gehe ich frohen Mutes weiter. Der Ausflug hat mich ermuntert und wieder vieles erfahren lassen. Mit einem Gefühl der Nostalgie im Gepäck kehre zurück in die Zivilisation.