Schlüsselblume (Primula veris)

Hunderte goldene Schlüsselchen liegen auf der sonst noch kargen Frühlingswiese. Goldene Sterne als wären sie vom Himmel gefallen. So besagt es auch die Legende über diese anmutende Blume. Beim Öffnen der Himmelspforte liess Petrus seinen Schlüsselbund fallen. Dieser sank auf einer langen Reise immer tiefer hinab bis hinunter zur Erde. An der Aufprallstelle soll die erste Schlüsselblume gewachsen sein. So ist die Pflanze vielleicht auch zu ihrem Botanischen Namen Primula veris vom Lateinischen „primus“, der Erste und „veris“ „ver“, der Frühling gekommen. Der Himmelsschlüssel, wie die zarte Blume auch genannt wird, schliesst das Tor zum Frühling auf.

 

Die Blume, die zu der Familie der Primelgewächse zählt, ist im mittleren Europa heimisch. Da sie feuchte und magere Wiesen mag, ist sie heute leider fast vom Aussterben bedroht und steht unter Naturschutz. Glücklicherweise gibt es noch einige Bergwiesen die ihren ursprünglichen Charakter beibehalten haben. Und so begegne ich heute auf meiner Wanderung unzähligen Frühlingsboten die mein Herz erfreuen. Neben der echten Schlüsselblume wachsen auch gleichzeitig die hellgelben Waldschlüsselblumen. Diesen fehlt der wohlriechende Duft und auch der Wirkstoffgehalt ist viel tiefer. So wird Medizinisch nur die echte Primula veris verwendet, die dunkelgelb blüht.

 

In der Pflanzenheilkunde werden die Wurzel sowie die Blüten und die Kelchblätter eingesetzt. Die Blüten haben einen schwach an Honig erinnernden Duft. Sie schmecken leicht süsslich. Die Schlüsselblume wird bei Katharren der Luftwege sowie beim produktiven Husten eingesetzt. Sie hilft auch bei chronischer Bronchitis mit einem länger hinziehenden Husten und ungenügendem Auswurf. In der Volksheilkunde wurden die Blüten bei Schlaflosigkeit und als Herzstärkendes Mittel verwendet.

 

Wenn ich die Pflanze sehe, rieche und spüre verspricht sie mir Freude, Hoffnung und Mut. Trotz ihrem zarten Wesen ist es eine der ersten Pflanzen die beherzt den Frühling grüsst. Und allein diese Erfahrung, dieses Gefühl schenkt mir bereits Kraft. Dies erklärt vielleicht die Anwendung bei Frühlingsmüdigkeit, Antriebslosigkeit und Melancholie.

 

So wandere ich auf einsamen Pfaden weiter, verlasse bald die prächtigen Wiesen und verabschiede mich von den goldenen Helfern. Aus Rücksicht auf die Natur sollen diese Blumen nur betrachtet werden. Das Drogenmaterial kann in Drogerien und Apotheken besorgt werden. Da sich die Blume erst im Sommer versämt, ist es wichtig sie stehen zu lassen, damit die Frucht dann zu Boden fallen kann. Die Natur sorgt für die Verbreitung und die Bestände können sich wieder erholen.

 

Wie ich nun des Weges Fortschreite vergehen auch die Tage. Es gibt noch tausende von spannenden Blumen, Blüten und Bäume in der Natur zu entdecken. Dieser Rhythmus empfinde ich als Geschenk. So fällt mir der Abschied dieser gelben Pracht leicht, da noch viele Schätze auf mich warten. Und im kommenden Frühling darf ich mich wieder an den goldenen Himmelsschlüsselchen erfreuen.