Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)

Magie und Mythen ranken sich um diesen Strauch. Dem Schwarzen Holder, der Haus und Hof vor bösen Geistern schützen soll, haben die früheren Generationen grosse Ehrfurcht entgegen gebracht. Die Männer sollten vor diesem Gewächs den Hut nehmen und die Frauen einen knicks machen. Viele wussten über die heilbringenden Kräfte dieser Pflanze.

 

Auf meinen Streifzügen durch die Natur begegnet mir der Holderbusch an Wegrändern, in Hecken, in Gärten oder an Waldrändern. Auf Wanderungen im Frühling nimmt die Nase bereits von weitem ein wohltuender, beruhigender und frohstimmender Geruch wahr. Und so wird auch manchem Wanderer im Mai und Juni der süsslich, zarte, verlockende Duft der blühenden Dolden in bester Erinnerung sein. Nicht nur für die Nase und das Gemüt, auch für die Augen ist der blühende Strauch eine willkommene Erscheinung.

 

Die Holderblüten haben eine schweisstreibende, kühlende und stärkende Eigenschaft. Die körpereigenen Abwehrkräfte werden gestärkt. In diesem Sinne sind die Holunderblüten eine hervorragende Arznei bei Fieber, Grippe oder Erkältung. Auch bei Rheuma oder Gicht kann sie gute Dienste leisten.

 

Nach der Blütezeit geht der Holunder wohl meist ein wenig in Vergessenheit. Bescheiden reifen nun aus den prachtvollen Blüten die Beeren heran. Die Sommermonate beschenken uns mit ihren farbenfrohen, leuchtenden und geruchsintensiven Blumen und Blüten am Wegesrand, denen wir nun die volle Aufmerksamkeit schenken. Doch wenn die Tage wieder kürzer und kühler werden, die prallen Farben ihre Intensität verlieren und von erdigen, dunklen, orangen, roten, violetten Farben abgelöst werden, kommt uns der Holder wieder in den Sinn. Dicke, schwere Dolden hängen nun an den Ästen der Sträucher. Die Erntezeit der Beeren ist dann, wenn sie dunkelviolett bis fast schwarz sind. Meine Nana (Grossmutter) hat uns Enkelkindern beigebracht, dass die Holderblüten im Juni, wenn das Vieh auf die Alp zieht, gesammelt werden sollen. Und die Holunderbeeren im September, wenn das Vieh wieder von Alp kommt. Später als junge Erwachsene habe ich mit ihr oftmals darüber diskutiert und wir waren nicht gleicher Meinung über diese Aussage. In nur kurzer Zeit hat sich vieles gewandelt auch in der Natur findet eine Beschleunigung statt. Trotz Klimaveränderungen und schwierigen Umweltbedingungen finden die Pflanzen immer wieder einen Weg sich weiterzuentwickeln. Eine äusserst geniale Eigenschaft der Pflanzenwelt. Sie kann sich in kürzester Zeit an neue Bedingungen anpassen. 

 

Die Heilkräftige Wirkung bezieht sich nicht nur auf die Blüten. Auch die Beeren werden in der Pflanzenheilkunde verwendet. Vielleicht ist die Achtung dieser Pflanze deshalb so hoch, weil wir doppelten Nutzen aus ihr ziehen dürfen. Die Holunderbeere beschenkt uns mit vielen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen die wir im Herbst benötigen um unsere Abwehrkräfte zu steigern. Der Presssaft aus den reifen Beeren wird traditionell bei Erkältungskrankheiten und Husten eingesetzt. Die rohen Beeren sind schwach giftig und nicht zum Verzehr geeignet. Jedoch sind die Beeren gekocht als Mus eine abwechslungsreiche herbstliche Bereicherung auf der Speisekarte.