Linde (Tilia x europea)

Ein warmer, sonniger Sommertag neigt sich dem Ende. Die Dämmerung bricht ein, und geleitet den Tag zur Nacht. Ich lehne an den Stamm einer alten Linde. Ein lauer Wind wirbelt die hellgrünen Blätter des mächtigen Baum mit den ausladenden Ästen durcheinander. Ich halte inne und beobachte dieses fröhliche Blattspiel. Es scheint so, dass dieser Baum mit tausenden von Herzen geschmückt ist. Jetzt zur Reifezeit verströmen die Blüten einen milden, lieblichen und erhebenden Geruch.

 

Die Begegnung mit einem Lindenbaum öffnet das Herz, lässt Freude ein und Milde walten. In den Mittelalterlichen Städten wurde auf dem Dorfplatz vielfach eine Linde gepflanzt. Manchmal auch eine Eiche. Unter diesen beiden Bäumen wurde Gericht geführt, Hochzeiten gefeiert und Versammlungen gehalten. Es heisst, dass Gerichtsurteile unter einer Linde stets gnädiger ausgegangen sind.

 

Als Heilpflanze ist die Linde ein hervorragendes Mittel, vor allem auch für Kinder. Bei Fieber und Erkältungen leistet sie erfolgreich und zuverlässig ihre Dienste. Die kühlende Thermik der Blüte wirkt Schweisstreibend und verteilt die Körperhitze. Bei trockenem Reizhusten verschafft sie Linderung. Ausserdem hat sie eine immunstärkende Wirkung.

 

Der Lindenbaum vermittelt Ruhe, Sicherheit, Geborgenheit. Er verleiht eine mütterliche, fürsorgliche Energie. Dieses Gefühl hilft bei nervösen Unruhen und Einschlafstörungen. Es scheint als ob diese Kräfte Kinder sanft in den Schlaf wiegeln können.

 

Auch mich stimmt der zarte Duft der Linde freudig und schenkt mir Ruhe und Klarheit. Die alte Weisheit die der Baum in sich trägt berührt meine Seele. Es ist als ob ich ein Stück der Weltenlast an diesem Ort zurück lassen darf. Und so gehe ich Dankbar und leichten Schrittes weiter.