Mistel (Viscum album)

Pflanzen brauchen zur Keimung nährstoffreichen Boden und Dunkelheit. Sie wachsen dem Licht entgegen. Nur die Mistel ist in der Pflanzenwelt eine aussergewöhnliche Erscheinung. Weder keimt sie in der Erde noch folgt sie der Sonne. Zwischen Himmel und Erde ist ihr Reich, sie kennt weder oben noch unten. Im Winter wenn andere Pflanzen schlummern, trägt sie ihre Früchte. Geheimnisvoll lebt sie nach ihren eigenen Gesetzten.

 

Die Mistel ist ein Halbschmarotzergewächs und wächst gerne auf Bäumen die auf Wasseradern oder energetischen Kreuzungen stehen. Mit speziellen Saugorganen entzieht sie dem Wirtsbaum Wasser und Mineralien. Eine Besonderheit bildet die Eichenmistel, die sehr selten vorkommt und bereits von den keltischen Druiden hoch verehrt und als heilig angesehen wurde. Sie galt als eine Zauberpflanze. Sie wurde mit einer goldenen Sichel am sechsten Tag nach dem ersten Winter Neumond geschnitten und in einem weissen Tuch aufgefangen. Geschnittene Mistelzweige durften den Boden niemals berühren. Dadurch verloren sie ihre besonderen Kräfte. Als Schutz vor bösen Geistern wurden die Zweige über die Eingangstüren gehängt.

 

Ein poetischer Hauch weht noch heute um die Mistel. Wenn uns in den nebelverhangenen Wintertagen die Sehnsucht nach dem Sommer plagt. So schenkt das Grün der Mistel jene nötige Hoffnung und Zuversicht auf die Lichtvollen und warmen Tage.