Gundelrebe (Glechoma hederacea)

Immer wenn ich der Gundelrebe begegne, fühle ich eine starke Anziehungskraft. Für mich persönlich ist der Gundermann, wie die Pflanze auch genannt wird, ein echter Patriarch mit einem charismatischen Charakter. Er ist eigenwillig, frech, ungestüm, forsch, fröhlich, lebenslustig und unerschrocken. Der Erdbewohner ist fest mit dem Boden verwurzelt und streckt seine Fühler doch dem Himmel entgegen. Wie heisst es so schön, schenke deinen Kindern Wurzeln damit sie fliegen können. Und vielleicht ist das ein Teil das die Gundelrebe uns schenkt.

 

An seinen kleinen Ranken die dem Boden entlang kriechen, wachsen viele rundlich, herzförmige Blätter die gegenständig angeordnet sind. In den Achseln gedeihen mehrere violette feine, lippenartige Blüten was auch die Familienzugehörigkeit anzeigt. Das Gewächs gehört zu der Familie der Lippenblütler. Wenn die Gundelrebe sich an einem Ort wohl fühlt, breitet sie sich wie ein Teppich aus, da sie sich nebst der Bestäubung über Hummeln anhand von Ausläufern vermehrt. Am liebsten mag sie Wiesen, Staudensäume und Waldränder. In einem Garten in dem auch wilde Gewächse gedeihen dürfen, findet die Gundelrebe ein zu Hause.

 

Zum Glück ist viel altes Wissen dank den schriftlichen Überlieferungen erhalten geblieben. Denn heute wird die Pflanze kaum mehr genutzt, obwohl sie ein grosser Helfer ist. Im Mittelalter war die Gundelrebe ein geschätzter Helfer. In der Volksmedizin wurde sie zur Entgiftung bei Eiter und Abszessen eingesetzt. Ebenso wurde das Kraut bei Stauungen, bei hartnäckigem Schleim und Eiterungen gebraucht. Kühen mit eitrigen Eutern wurde dieses Kraut verabreicht um sich von der schmerzenden Krankheit lösen zu können. Wie es in ihren Genen festgelegt ist, arbeitet die Gundelrebe unermüdlich und gründlich, spürt die Gifte im Körper auf, kriecht ihnen nach und transportiert sie ab. Die Gundelrebe regt mit ihren Inhaltsstoffen den Leberstoffwechsel an, fördert die Nierentätigkeit und entgiftet auch noch die lymphatischen Organe. Ein kleiner, flinker und penibler Arbeiter, diese quirlige Pflanze.

 

In Frühlingsgerichten ist die Gundelrebe eine willkommene Abwechslung. Der Geschmack ist jedoch nicht jeder Mannssache. Etwas bitter, scharf, würzig, speziell – es lässt sich nicht genau umschreiben - Gundermann eben. Einige rümpfen die Nase beim diesem Geschmack, ich mag ihn sehr. Die feinen Blätter und die Blüten können in einer Suppe oder einem Salat verwendet werden. Ebenso erhält eine Apfelmostcreme einen feinen, herben Geschmack mit diesem Kraut. Es ist alleweil ein Versuch Wert diesen Frühlingsboten in einem Wildkräuter Gericht zu verwenden.